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Gedenktag in Brunssum, NL, ein beeindruckender Besuch

 

 

Erstmalig erhielten wir eine Einladung der Stadt Brunssum, die diesjährige Gedenkfeier am Samstag, dem 04. Mai 2019, aus Anlass des Jahrestages der Befreiung der Niederlande vom Nationalsozialismus mitzuerleben. Am 05.05.1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht gegenüber den Niederlanden – dieses Datum wird als Bevrijdingsdag gefeiert.


Die Einladung entstand aus den Vorträgen des Zeitzeugen Jack Aldewereld vor den letzten drei Jahrgängen unserer Schule. (s. Homepage unter Aktuelles/Schuljahr 2016/17 „Erschütternder Bericht eines Zeitzeugen“ sowie unter Aktuelles/Schuljahr 2017/18 unter „Vortrag von Jack Aldewereld“)


Sehr geehrt fühlten wir uns, dass wir auf dem zivilen Friedhof vor mehreren hundert Menschen einen Redebeitrag leisten durften. So waren 9 Schüler/innen unserer letzten Jahrgangstufe 10 bereit, mit Frau Eiling und Herrn Hoppe-Leifgen um 17.30 Uhr am Samstagabend nach Brunssum zu fahren.

 

Weitere Schüler/innen von niederländischen Schulen sowie von der Gustav-Heinemann-Gesamtschule Alsdorf und Gesamtschule Selfkant/Ganelt waren zugegen.


Der Ablauf:

 

18.30 Uhr: Ankunft der drei Schülergruppen aus Linnich, Alsdorf und Gangelt an der St. Gregorius Kerk - einer modernen Kirche mit einem hohen grauen Glockenturm in der Kerkstraat in Brunssum/NL, anschließend Kontaktaufnahme und Gespräche mit den niederl. Gastgebern und den anderen deutschen Gästen

 

19.15 - ca. 19.45 Uhr: Gemeinsamer Gottesdienst

 

19.50 Uhr: Kurzer Gang - ca. 250 Meter - zum allgemeinen Friedhof und kurze Ansprachen und Kranz-Niederlegungen der militärischen und der zivilen Gäste

 

ca. 20.20 Uhr: Wechsel zum militärischen Friedhof für die gefallenen alliierten Soldaten, der unmittelbar neben dem allgemeinen Friedhof liegt, weitere Kranz- und Blumenniederlegungen

 

ca. 21.00 Uhr: Einladung der Gemeinde Brunssum an alle Gäste ins Gemeindezentrum "Brikke Oave"

 

Auf dem allgemeinen Friedhof wurde namens der drei deutschen Schülergruppen ein Kranz niedergelegt, außerdem zwei kurze Reden von Schülern/innen der Gesamtschule Selfkant/Gangelt und unserer Schule gehalten.


Für die RS Linnich sprachen Rene und Lene vor mehreren hundert Gästen:

 

„Sehr geehrte Gäste,


als Schüler/innen der Realschule Linnich sind wir sehr berührt, dass wir zu dieser Gedenkveranstaltung eine Einladung bekommen haben.


Die letzten drei Jahrgänge unserer Schule haben es als Geschenk empfunden, dass der Brunssumer Bürger Jack Aldewereld offen, ohne Hass, aber mit klarer Haltung und Sehnsucht nach Frieden seinen Lebensweg erzählt hat. Das hat tiefe Spuren bei vielen Schülern/innen hinterlassen.
Hartelijk bedankt!

 

Wir schließen unseren kurzen Beitrag mit einem Gedicht von Erich Fried:


“Erinnern
das ist
vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und
vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual”


Bedankt voor je aandacht“

 

Auf dem militärischen Friedhof wurde jeweils von Brunssumer Familien eine Blume und ein Kerzenlicht auf jeden Grabstein gelegt, zusätzlich erhielten alle Schüler/innen und Lehrer/innen eine Blume bei der Ankunft auf dem militärischen Friedhof, die dann beim Monument dieses Friedhofes abgelegt wurden.

 

Beeindruckt und beschenkt erreichten wir gegen 23.00 Uhr Linnich.

 

Rene und Lene schildern ihre Eindrücke:

 

„Die Frage zu beantworten, wie es mir an diesem Abend dort gefallen hat, ist mit einem klaren „großartig“ zu beantworten.
Doch war ich eher beeindruckt, wie viele Leute sich einsetzen, damit so etwas nie wieder passiert. An die 800 Menschen versammelten sich dort und sorgten für einen Abend, welcher im wahrsten Sinne „unter die Haut“ ging. Alliierte aus dem 2. Weltkrieg, Offiziere, Generäle aller Nationalitäten fanden zusammen, um ein Exempel des Friedens zu statuieren. Dass man als Schüler dankbar und begeistert ist, ist nicht nur schön, sondern selbstverständlich!“

Rene

 

„Ich wurde gebeten, meine Eindrücke zum Gedenkabend in Brunssum niederzuschreiben.
Ich habe den Abend als sehr angenehm empfunden, dieser Abend hat meine Erwartungen übertroffen. Denn die Generäle, die dort an jeder Ecke standen, vermittelten ein ganz besonderes Flair, abgesehen von der Betroffenheit jedes einzelnen Besuchers.
Hunderte von Menschen schwiegen und gedachten.
Ich habe mich an diesem fremden Ort und unter diesen fremden Menschen sehr willkommen und geschätzt gefühlt, was durch eine Einladung zum „Begegnungshaus“ unterstrichen worden war. Zudem beeindruckt mich, wie viele Menschen nach so langen Jahren immer noch nicht vergessen und jedes Jahr aufs Neue gedenken. Das zeigt viel Respekt und Menschlichkeit. Es  ist ein wunderbarer Brauch und sagt viel über diesen Ort und die Bürger aus, die dort leben.
Ich bin sehr glücklich, dass ich mitgefahren bin, denn so etwas Beeindruckendes habe ich in dieser Form zuvor nie erlebt und bin dankbar, dies erlebt haben zu können. Berührt bin ich, dass ich mit und für die anwesenden Schüler/innen sprechen durfte. Stolz und berührt bin ich, dass ich den ganzen Menschen, die ihren Brauch in dem Moment lebten, meinen Respekt erweisen durfte  -  durch meine Anwesenheit und mit meinen wenigen, aber aussagekräftigen Worten.“

Lene